Mitteldeutsche Zeitung vom 27.11.2009 - online

Seit dem Studium ziehen Roßbergs an einem Strang

 Arbeitslosigkeit war für das Ehepaar keine Option - Darum gründeten beide ihre eigene Firma

 VON ANDREAS BRAUN
 BERNBURG/PEISSEN/MZ. Lange gezögert haben die Roßbergs nicht. Arbeitslos, nein, sagten sich Carla und Torsten Roßberg, das
sei keine Option auf Zeit und so nutzen die gelernten Baufacharbeiter und weitergebildeten Bauingenieure die Chance, ihre
eigene Firma zu gründen.
Ihr alter Arbeitgeber war insolvent und durch das Haus in Peißen waren Wege nach Österreich oder andere zwar lukrative, aber
doch zu weite Arbeitsstellen verschlossen. So nahmen sie die Geschicke in die eigenen Hände. Das geschah im Dezember 2005.
Und der erste eigenständige Job ist auch noch in den Erinnerungen. Bei der Sparkasse musste das Pflaster angehoben werden.
"Da sind wir beide hin und haben das gemacht", blicken beide an die Anfänge zurück. Kurz darauf folgte das erste Eigenheim und
die ersten beiden Mitarbeiter wurden eingestellt. Seit dem mehrten sich die Aufträge.
"Wir wollten hier bleiben", sagt Torsten Roßberg und so wurde eine Möglichkeit für eine Firmengründung gesucht und schließlich
auch gefunden. Über diverse Existenzgründermessen und Angebote wurde die Baufirma gegründet. "Es ist etwas anderes, ob man
angestellt ist oder ob man selbstständig ist. Wären wir nicht arbeitslos geworden, wir hätten keine Firma gegründet", ist sich
Torsten Roßberg sicher.
Das "Wir" ist übrigens bei dem 45-Jährigen und der 42-Jährigen Programm. "Wir haben uns beim Studium kennen gelernt, haben
zusammen studiert, in der Baufirma zusammen angefangen zu arbeiten und aufgehört.
Da war es fast zwangsläufig, dass wir uns arbeitsmäßig nicht trennen und nun die Firma haben", sagt Roßberg. "Wir ergänzen uns
perfekt", zollt er seiner Frau Respekt, denn sie ist die Kalkulatorin, eine Aufgabe, die "der Chef" nicht gern macht, sagt Carla Roßberg.
"Ich plane und bin gern vor Ort und mache Vorschläge. Das andere kann meine Frau viel besser."
Dafür gibt es dann aber auch ab und zu mal ein paar Unstimmigkeiten, wenn die Kalkulation höher ausfällt, als Torsten Roßberg
vorschwebt.
Aber das "Wir" steht auch als Firmenphilosophie. Sieben Mitarbeiter zählt die Firma derzeit. "Wir haben hoch motivierte und
gute Fachleute. Ohne sie wäre die Firma nichts", sagt Carla Roßberg. Viele kenne man noch von der alten Firma. "Wir müssen
uns aufeinander verlassen können. Mit den Mitarbeitern steht und fällt das Geschick der Firma."
Ebenso, und das sehen Roßbergs als ihre Pflicht, habe man Verantwortung, denn die Leistungen müssen ordentlich bezahlt werden
und es müssen immer Arbeiten da sein. Sie heranzuholen, sei nun mal ihr Job, sagt Roßberg. "Die Leute verlassen sich auf uns,
dass sie auch im nächsten Monat noch einen Job haben", ergänzt Carla Roßberg.
Dass man das nicht einfach so mal an einem Acht-Stunden-Tag oder mit Freitagnachmittag Feierabend hinbekommt, daran haben
sich die Roßbergs gewöhnt. "Als Angestellter war Feierabend - die Arbeit blieb im Betrieb. Jetzt ist sie allgegenwärtig. Auch mal am
Sonntagsfrühstückstisch", schmunzelt Carla Roßberg. Doch das sei nicht schlimm. "Die Arbeit und die Firma machen uns Spaß."
Was Roßbergs, die einen 18-jährigen Sohn und eine 24-jährige Tochter haben, schnell gelernt haben, ist, dass man mit den Leuten,
die Beratung haben wollen und Leistungen in Anspruch nehmen wollen, ehrlich umgeht. "Es schafft kein Vertrauen, wenn man
dauernd was findet, was die Kosten hochtreibt", so Roßberg.
Und ab und zu gibt es dann auch einfach mal einen Tipp zur Beratung dazu.
 

 
  (FOTO: ENGELBETRT PÜLICHER)